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Konstruktionsvarianten
der Luftkanäle bei
Dächer-Schacht-Trocknern in der Praxis
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1. Grundlagen
Die Trocknung von Getreide und Mais wird mit Warmluft
durchgeführt. Dieses klassische Trocknungsverfahren ist einfach und
hat sich im landwirtschaftlichen Bereich durchgesetzt, da eine leistungsstarke,
qualitativ hochwertige und schonende Trocknung erzielt wird. Die Investitions-
und Betriebskosten gegenüber anderer Verfahren, wie Gefrier-, Vakuum-
oder Strahlungstrocknung nehmen sich gering aus.
Im allgemeinen hat sich die Konstruktion des sog. Dächer-Schacht-Trockners
bewährt. Im speziellen bedeutet dies, dass die Luftzu- und abführung
über horizontal liegende, nach unten offene, dachförmige Luftschächte
erfolgt. In den Zwischenräumen rieselt das Trocknungsgut unter Einwirkung
der Schwerkraft durch die Trocknungsanlage. Die senkrechten Produktschächte
sind von waagrecht angeordneten Warm- und Abluftkanälen durchzogen.
Die optimierte Dachform dieser Kanäle gewährleistet das gleichmäßige
Nachsetzen des Produkts.

Abbildung 1
Abbildung 2
Abbildung 1: Trocknungsanlage im Schnitt. Das
Trocknungsgut wird oben (Pfeil oben)
in die Trocknersäule eingebracht und mittels Schwerkraft durch die
Anlage geführt bis zum Auslauf (Pfeil unten).
Rechts wird die Warmluft (rot) der Trocknersäule (gelb) zugeführt.
Links davon wird die mit Wasser angereicherte
Luft aus der Anlage abgeführt (grün). Man erkennt im unteren
Bereich eine Kühlzone (blau)
Abbildung 2: Funktionsprinzip des Dächer-Schacht-Trockners.
Die roten Kanäle symbolisieren
die Warmluft, die grünen die Abluft. Dazwischen befindet sich das
zu trocknende Gut (gelb).
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Die Dachkanäle sind nach unten auf gesamter Länge offen. Die
Warmluft strömt auf der Stirnseite der Warmluftdächer (rot)
in die Säule ein und durchflutet anschließend die anliegende
Produktschüttung (gelb). Dabei erwärmt sich das Produkt und
gibt seine Feuchtigkeit an die vorbeistreichende Luft ab und trocknet.
Im Gegenzug kühlt sich die Luft ab und feuchtet sich je nach Produkt
bis zur Sättigungsgrenze auf. Die feuchte Luft entweicht durch die
benachbarten Abluftdächer (grün). Die Luftkanäle sind an
jeweils einer Seite zu den entsprechenden Hauptkanälen geöffnet,
um das Einströmen bzw. Ausströmen der Luft zu ermöglichen.
An der gegenüberliegenden Seite sind die Kanäle geschlossen,
so daß die Luft also gezwungen ist, dem beschriebenen Weg zu folgen.
Durch Ventilatoren wird diese Luft aus dem Trockner gesaugt. Das Prinzip
wird in Abbildung 1 und Abbildung 2 erklärt.
Hinzu kommen nun von den unterschiedlichen Herstellern
verwendeten Arten der Heiztechnik, der weitergehenden Luftführung
bis hin zur Wärmerückgewinnung durch Umluft etc. Ein wichtiges
Konstruktionsmerkmal ist aber eben auch die Form der Luftkanäle resp.
Dächer, die von den Herstellern produziert werden.
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2. Zwei grundsätzliche Dächerformen –
konische und gerade Ausführung
In der Praxis haben sich zwei Konstruktionsarten durchgesetzt
– die konische sowie die gerade Dächerform.

Abbildung 3: links ist die Konstruktion
mit konischen Dächern,
rechts mit geraden Dächern dargestellt.
Die roten Pfeile symbolisieren den Warmlufteintritt, die grünen den
Abluftaustritt.
Bei der konischen Ausführung haben die Luftkanäle
in der Trocknersäule einen veränderlichen Querschnitt über
die Tiefe der Säule betrachtet. Auf der Warmluftseite, dort wo die
Luft einströmt, verjüngt sich der Kanal mit zunehmender Tiefe
der Säule (siehe Abbildung 3). Bei den Abluftkanälen, also nach
Durchströmen der Luft durch die Produktschüttung, ist es genau
umgekehrt; hier weitet sich der Querschnitt mit zunehmender Tiefe, bis
auf der Abluftseite der maximale Querschnitt erreicht ist. Somit hat immer
diejenige Seite den maximalen Durchströmungsquerschnitt, die zu einem
der beiden Hauptluftschächte (Warmluft-Zuführung und Abluft-Abführung,
siehe auch Abbildung 1) zeigt. Die jeweils gegenüberliegende Seite
mit kleinem Querschnitt ist die geschlossene.
Trocknungsanlagen mit einer geraden Dächerausführung
weisen über die gesamte Säulentiefe einen gleichmäßigen
Querschnitt in den Luftkanälen auf. Das Prinzip der wechselseitigen
Öffnungen der Warm- und Abluftdächer ist wie oben beschrieben
vergleichbar (Abbildung 3).
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3. Gegenüberstellung der beiden
Systeme
a) Fertigungs- und Investitionskosten
Sowohl die konische Dachform, als auch die gerade Dachform
ist in der Regel für alle Kanäle gleich. Es besteht kein Unterschied
zwischen den Warmluft- und den Abluftkanälen. Ein großer Vorteil
der konischen Bauform liegt in der einfachen Stapelbarkeit der einzelnen
Dächer während der Fertigung und vor allem beim Transport. Die
Dächer lassen sich leicht ineinander schieben und reduzieren damit
das Gesamt-Stapelvolumen und somit die Lager- und Transportkosten. Dies
ist bei den geraden Dächern nur bedingt möglich, man kann sie
nur zueinander gedreht ineinander schieben.
Auch in der Montage erweisen sich die konischen Dächer
als die billigere Bauform. Die Dächer können einfach durch die
Öffnungen in den Seitenwänden der Trocknersäulen hindurchgeschoben
werden. Die meisten Hersteller stecken die an den Dächern befindliche
Laschen an der gegenüberliegenden, geschlossenen Seite durch Schlitze
in der Seitenwand und befestigen sie entweder durch einfaches Umschlagen
der Laschen mittels eines Hammers oder durch Einschlagen von Keilen und
ähnlichem. An der geöffneten Seite mit dem größeren
Querschnitt werden ebenfalls Laschen umgebogen oder verkeilt. Meist wird
diese Seite noch mit einer einfachen zusätzlichen Fixierung (Schraube,
Popniet o.ä.) versehen.
Die Konstruktionen mit geraden Dächern benötigen
eine etwas aufwendigere Montage, da diese nicht einfach durch die Kanalöffnungen
der Seitenwände hindurchgesteckt werden können. Die komplett
vorgefertigten Kanäle werden einzeln von innen bei der Montage eines
Säulenelementes mit zahlreichen Befestigungselementen (Scherzugniete
oder vergleichbares) an der Seitenwand fest fixiert. Ein Umhämmern
von Laschen oder ähnliches findet nicht statt.
Die Art und Weise der Montage der geraden Dachelemente
sowie die zahlreichen verwendeten Fixierungen vergrößern natürlich
den Aufwand bei der Herstellung und somit die Kosten. Die konische Ausführung
ist hier eindeutig die billigere.
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b) Stabilität
Gerade aber die Befestigungsart, die die konische Variante
so kostengünstig macht zeigt aber auch ihren größten mechanischen
Nachteil: die fehlende Stabilität.
Durch das Umhämmern der Laschen entsteht keine feste
Verbindung zwischen Kanal und Frontplatte und somit ist ein Säulenelement
in sich nicht so stabil wie ein Element der geraden Variante. Hier wird
durch die zahlreichen Verbindungen der Kanäle mit den Frontplatten
eine Stabilität des jeweiligen Säulenelementes erreicht, die
sich dann auf die ganze Säulenhöhe betrachtet als vorteilhaft
erweist.
Eine Möglichkeit, dies bei der konischen Variante
zu verbessern wäre, auch diese Dächer fix mit den
Seitenwänden zu verbinden. In der Regel lassen sich die für die Befestigung
notwendigen Bohrungen, wegen der fehlenden Präzision bei der Montage,
nur sehr ungenau vorfertigen. Außerdem geht damit ein entscheidender
Vorteil der geringeren Kosten verloren.
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c) Gleichmäßigkeit des Trocknungsergebnisses
Zuerst hier die Erläuterung des Begriffes „Schütthöhe“.
Mit Schütthöhe ist der Weg einer Luftströmung vom Warmluftkanal
durch das Produkt zum Abluftkanal an einer jeweiligen Position in der
Trocknersäule zu verstehen. Dies ist zum Beispiel in Abbildung 2
als Weg der Luft durch das Produkt, angedeutet durch die Pfeile, zu erkennen.
Abbildung 4: bei konischen Dächern ist der Schnitt
durch die Tiefe des Elementes veränderlich,
bei geraden Dächern immer konstant.Betrachtet man bei der konischen
Variante einen Schnitt durch
die Trocknersäule genau in der Mitte (über die Tiefe der Säule
betrachtet), so sind die Querschnitte
von Warmluft- und Abluftkanal gleich. An den Frontplatten, wo der kleinste
mögliche Querschnitt auf
den größten trifft, ist der Unterschied jeweils maximal (Abbildung
4). Der Schnitt ist somit über die Tiefe veränderlich.
Durch die konisch geformten Dächer entsteht somit
in der Produktsäule über die Tiefe der Dächer betrachtet
keine gleichmäßige Schütthöhe des Produktes. Bei
der geraden Dächerkonstruktion ist der Querschnitt immer derselbe
und somit auch die Schütthöhe konstant über die Säulentiefe.
Das bedeutet, über die Tiefe der Säule betrachtet
ist bei konischen Dächern in der Mitte die Schütthöhe geringer
als an den Frontplatten. Ist aber nun die Schütthöhe geringer,
bedeutet dies, daß sich weniger Material je Meter Säulenhöhe
über dem untersten Element, dem Austragselement, befindet. Geht man
davon aus, daß der Produktaustrag nun mengenmäßig gleichmäßig
austragen würde (zumindest über die Tiefe der Dächer kann
man davon ausgehen), so rieselt die Ware in der Mitte der Säule schneller
als am Rand. Dadurch bedingt sich eine geringere Gesamtverweilzeit dieses
Trocknungsgutes in der Trocknungsanlage. Eine geringere Verweilzeit resultiert
nun aber automatisch in einer höheren Endfeuchte, da weniger Wasser
dem Produkt entzogen wurde als erwünscht. Praktische Messungen haben
hier Unterschiede in der Endfeuchte von +/- 3% ergeben (Trocknung von
Mais von 35% auf 15%).
Dieses Problem kann bei Trocknungssäulen mit geraden
Dächern nicht auftreten, da überall eine gleichmäßige
Schütthöhe vorliegt. Es muß nur sichergestellt sein, daß
ein Austragssystem verwendet wird, das das Trocknungsgut gleichmäßig
über die Säulengrundfläche aus der Anlage austrägt,
was aber nicht immer selbstverständlich ist.
Ein zusätzliches Problem bedingt bei vielen in der
Praxis gesehenen Trocknungsanlagen ist der einseitige Austragsmechanismus.
Der Austrag vieler Anlagen arbeitet nicht wechselseitig, sondern nur einseitig
(Klappmechanismus). Dies bedeutet, daß die Seite, an der der Klappmechanismus
zuerst öffnet, schneller rieselt als an der gegenüberliegenden
Seite. Somit gibt es in der gesamten Säule ein ungleichmäßiges
Nachsetzen und damit Bereiche mit Untertrocknung und Bereiche mit Übertrocknung.
Diese Konstruktionen sind nicht unbedingt durch die Ausführung der
Dächer bedingt, man sieht sie jedoch hauptsächlich bei Trocknern
mit konischen Dächern.
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d) Energieverbrauch
Hier muß man zwei Energieverbräuche betrachten,
die elektrische Energie und die Heizenergie.
Anlagen mit konischen Dächern weisen in der Regel
viel geringere elektrische Anschlußwerte auf, als vergleichbare Trockner
mit gerader Ausführung. Dies resultiert natürlich auch in geringeren
elektrischen Verbräuchen. Die hauptsächlichen elektrischen Verbraucher
einer Anlage sind die Ventilatoren. Somit steht der Anschlußwert
direkt in Verbindung mit der Luftbewegung.
Betrachten wir die unterschiedliche Geometrie der Dächer
der konischen Ausführung (siehe Punkt c). Durch die unterschiedlichen
Schütthöhen gibt es unterschiedliche Luftwiderstände in
der Trocknersäule. Es gibt also Stellen mit geringem Widerstand und
Stellen mit höherem Widerstand. Da der größte Anteil der
Luft sich durch die Stellen mit geringerem Widerstand bewegt, hat die
Trocknersäule insgesamt einen viel geringeren Widerstand als bei
Anlagen mit gleichmäßigen Dächern. Ein geringerer Widerstand
benötigt aber automatisch eine geringere Ventilatorleistung und somit
eine geringere elektrisch Leistung der gesamten Anlage, sofern die periphere
Ausstattung (Warmlufterzeugung, Staubabscheidung etc.) gleich ist.
Bei der Betrachtung der Heizenergie geben sich grundsätzlich
kaum Unterschiede zwischen beiden Systemen. Die Verbräuche sind doch
hauptsächlich durch die Peripherie (Heizgeräte, etc.) bedingt.
Die konische Variante weist jedoch einen höheren Energieverbrauch
auf, wenn man die Ungleichmäßigkeiten der Endfeuchte (siehe
c) durch eine (im Mittelwert) Übertrocknung des Endproduktes ausgleichen
muß, um eine sichere Lagerfähigkeit des Gutes zu erreichen.
Dann kann es sich durchaus ergeben, daß die Konstruktion mit geraden
Dächern in der Summe die günstigere ist, da der Heizenergiebedarf
immer die größere Komponente darstellt.
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e) Material
Grundsätzlich gibt es zwei Materialien, aus denen
heutige Trocknungsanlagen gefertigt werden: verzinktes Stahlblech und
Aluminium. Das verzinkte Stahlblech hat vor allem bei Maistrocknungsanlagen
den großen Nachteil, daß das Zink sich nach kurzer Zeit abgeschliffen
hat und Korrosion einsetzt. Trockner in Aluminiumkonstruktion kennen keine
Korrosionsprobleme.
Einige dieser verzinkten Anlagen werden auch mit Kombinationen
aus verzinktem Stahlblech und Chromstahl gefertigt, wobei der Chromstahl
an den besonders gefährdeten Bereichen der Abluft sitzt. Dies ist
auf den ersten Blick die noch etwas bessere Lösung. Allerdings nur
auf den ersten Blick, denn durch die Verwendung eines zweiten Metalls
in Verbindung mit der Säure des Trocknungsgutes, vor allem bei feuchtem
Mais, entsteht in der Anlage eine Primärzelle („Leclanché-Element“).
Wie bei jeder Batterie wird hierbei ein Metall als Anode abgebaut, sprich
korrodiert. Somit ist der Korrosionseffekt an den nicht aus Chromstahl
gefertigten Bauteilen sogar noch verstärkt gegenüber einer vollverzinkten
Anlage.
Die Praxis hat gezeigt, daß bei feuchtem Mais (35%),
wie er in z.B. auch in Deutschland getrocknet wird, verzinkte oder verzinkt/Chromstahl
kombinierte Anlagen teilweise eine Lebensdauer von nur fünf Jahren
bis zur Durchrostung aufwiesen.
Was hat dies nun mit der Gegenüberstellung von konischen
und geraden Dächerkonstruktionen zu tun?
Es gibt in der Praxis kaum Trocknungsanlagen mit konischen
Dächern, die aus Aluminium gefertigt sind. Es ist dies die Art der
Montage, welche die Verwendung von Stahlmaterialien bedingt. Würde
die Montagemethode des Durchsteckens und Umhämmerns der Laschen bei
Aluminium gemacht, so wäre das resultierende Trocknerelement weitaus
instabiler, als es ohnehin schon bei der Verwendung des Stahls ist.
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4. Zusammenfassung
In der Praxis werden nach wie vor beide Varianten von
Trocknungsanlagen verwendet und auch neue Anlagen gebaut. Jede Variante
hat ihre Vorteile gegenüber der anderen. Diese Vorteile lassen sich
in kaufmännische und verfahrenstechnische Vorteile unterteilen.
Hier ist dann festzustellen, daß die konische Bauform
ihre Vorteile im kaufmännischen Bereich hat. Sie läßt
sich kostengünstiger realisieren als die Variante mit geraden Dächern.
Die Anschaffungskosten sind meist geringer.
Die eindeutigen verfahrenstechnischen Vorteile liegen
auf Seiten der geraden Bauform. Das Trocknungsergebnis wird gleichmäßiger,
die Trocknungsanlagen sind stabiler gebaut und man hat die Wahl des Materials
und kann sich für das höherwertige Aluminium entscheiden.
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